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Wiederauferstehung des Toten Meers angestrebt

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 08.12.2020, 15:10 Uhr
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Ohne Wasserzufuhr trocknet das Tote Meer noch mehr aus
Ohne Wasserzufuhr trocknet das Tote Meer noch mehr aus  Bild: Ronaldo Goldberger

Jerusalem [ENA] Neue Wassergefälle sollen die Knappheit des kostbaren Nasses in Jordanien lindern helfen. Seit 2013 schlummert ein zwischen Jordanien und Israel ausgehandeltes Vorhaben, innert vier Jahren das Rote Meer mit dem Toten Meer zu verbinden. Zudem könnte das schrumpfende Tote Meer revitalisiert werden.

Die Projektmilliarde hätten ausländische Investoren aufbringen sollen. Doch die diplomatische Verknüpfung zwischen dem haschemitischen Königreich und dem jüdischen Staat basiert seit 1994 auf dem Prinzip eines „kalten Friedens“. Eigentlich hätte man die praktisch inexistenten Wirtschaftsbeziehungen ankurbeln wollen. Doch ausser Wasser und Gas importiert Jordanien nichts vom Nachbarland. Die mehrheitlich sich als palästinensisch definierende Bevölkerung stellt die Herrscherfamilie - einst aus Saudiarabien zugezogen - auf eine harte Probe. Militärisch stützt Israel im eigenen Interesse die wankende Pufferzone, damit sie nicht von Iran-gesteuerten Invasoren durchdrungen wird. Man hat schon genügend Sorgen mit der Gefahrenzone Syrien/Libanon.

Begrenzte Begeisterung der Anrainerstaaten

Das schlummernde Wasserkanal-Vorhaben, das auf jordanischem Boden der israelischen Grenze entlang führen sollte, wurde heftigst von Umweltschützern bekämpft. Um die Trinkwasserversorgung für die Bewohner in der Arava-Senke, der Negev-Wüste, der palästinensischen Autonomie-Zone und Jordaniens generell zu gewährleisten, hätte eine Entsalzungsanlage konstruiert und in Betrieb genommen werden sollen. Nun, da sich Israel im arabischen Raum zufolge diverser bilateraler Normalisierungsabkommen erhebliche neue Märkte erschliesst, ist das zaudernde Jordanien, welches Israel dauernd die kalte Schulter zeigt und innenpolitisch im Parlament und den Medien einen von radikalen antisemitischen Tönen begleiteten Kurs fährt, in den Hintergrund gerückt.

Sollte die Verwirklichung des zukunftsweisenden Kanal-Projekts scheitern, würde nichts mehr das fortlaufende Schwinden der Wasserreserven am tiefstgelegenen Punkt der Erde, dem Toten Meer, aufhalten können. Seit Jahrzehnten bildet es sich zurück, an den Stränden fällt die Erde ein, und die hoffnungsvoll errichteten Hotelanlagen, die sich nach wie vor grosser Beliebtheit bei Sonnenhungrigen und an Psoriasis Erkrankten, für die die mineralreiche Schlacke der geschundenen Hautoberfläche Linderung angedeihen lässt, „wandern“ langsam vom überaus salzhaltigen Wasser weg. Auch verpasst man eine Lösung der chronischen Wasserarmut Jordaniens. Pro Kopf können p.a. lediglich 90 m³ verbraucht werden, wohingegen die untere Limite bei 500 m³ läge.

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