Freitag, 22.06.2018 00:08 Uhr

Flüchtlinge als Matrosen auf dem Rhein

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Duisburg, 21.05.2018, 07:18 Uhr
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Duisburg [ENA] Deutschland will Flüchtlinge für Matrosen- und Logistikjobs in der Binnenschifffahrt fit machen. Der Bundesverband der deutschen Binnenschifffahrt (BDB), der Hafen Duisburg und andere Träger bieten dazu sechsmonatige Schulungen an, um Interessenten mit entsprechendem Berufsinteresse und deutschen Sprachkenntnissen zu qualifizieren. Die Massnahme soll bis 2020 dauern, teilte der BDB in Duisburg mit.

Die Initiative "Smart St@rt" dient der Integration der Flüchtlinge und soll den Fachkräftemangel beheben helfen, vor allem beim fahrenden Personal in der Güterschifffahrt und hier bei Unternehmen mit ein bis zwei Beschäftigten, sogenannten Partikulieren. „Erheblicher Handlungsbedarf“ bestehe auch, weil über 30 Prozent der in der Branche sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 55 Jahre und älter seien. Bewerber durchlaufen einen Eignungs- und Kompetenztest, um möglichst homogene Gruppen zu bilden. Das Angebot richtet sich insbesondere an jüngere Flüchtlinge, die anerkannt sind oder über einen Bleibestatus verfügen. In sozialen Netzwerken gab es neben Zustimmung auch negative Reaktionen aus der Binnenschifffahrt.

In einem typischen Beitrag auf Facebook hiess es, bevor Flüchtlinge den Personalmangel ausgleichen würden, sollten in den Zielsparten Beschäftigte besser bezahlt werden, um einer Abwanderung entgegen zu wirken; auch sollten dem Partikulier-Nachwuchs mehr Ausbildungsanreize geboten werden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Ziel gefördert, ein Kurskonzept zu entwickeln, das auf eine stabile Arbeitsmarktintegration ausgerichtet ist und in anderen Branchen Anwendung finden kann. Zuständige Jobcenter und Arbeitsagenturen wählen die Kursteilnehmer aus.

Geplant sind zwei Kurse mit jeweils ca. sechsmonatiger Dauer sowie flankierende Angebote wie Coaching, Bewerbungstraining, Berufsberatung, Sprach- und Kompetenztests, betriebliche Praktika und Berufserkundung. Die erforderlichen Sprachkenntnisse von Bewerbern müssen dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen entsprechen, also einer mittleren Stufe, die selbstständige Sprachanwendung ermöglicht. Offiziellen Statistiken zufolge gibt es in Deutschland knapp 1.000 Unternehmen in der Binnenpassagier- und Güterschifffahrt mit insgesamt etwa 7.000 Beschäftigten, wovon über 5.000 Personen zum fahrenden Personal zählen.

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