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Ausstellung Ödön von Horváth in Graz

Verantwortlicher Autor: Carlo Marino Rome/Graz, 16.12.2019, 14:26 Uhr
Presse-Ressort von: Dr. Carlo Marino Bericht 4446x gelesen

Rome/Graz [ENA] Die ungebrochene Faszination, die Ödön von Horváths (9. Dezember 1901 in Sušak, Österreich-Ungarn; † 1. Juni 1938 in Paris) Stücke bis heute ausüben, und die politischkulturelle Aktualität der darin debattierten Themen sind die bedeutenden Impulse, die der Ausstellung am Franz-Nabl-Institut / Literaturhaus Graz zugrunde liegen. Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Theatermuseum Wien und wurde von

von Nicole Streitler-Kastberger und Martin Vejvar kuratiert. Anhand dreier ausersehener Stücke, Italienische Nacht, Geschichten aus dem Wiener Wald (beide 1931) und Kasimir und Karoline (1932) werden den BesucherInnen verschiedene Zugänge zum Werk Horváths, seinem Verhältnis zum Theater aber auch zu den Kontexten der Weimarer Republik ermöglicht. Eine besondere Achtsamkeit gilt dabei einer Themenreihe, die Horváths Oeuvre durchzieht: Erotik, Politik und Ökonomie. Entwürfe und frühe Fassungen zu seinen bekannten Werken geben Einblick in die spezifische Arbeitsweise des Autors, seine kunstvolle Verwendung und literarische Aufladung trivialer Szenen und kolportagehafter Vorlagen ebenso wie seine außerordentlich theaterpraktische Denkweise.

Eine wichtige Quelle für diesen Aspekt der Ausstellung ist auch die historisch-kritische Ausgabe Ödön von Horváths, die von den KuratorInnen editorisch betreut wird und am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz entsteht. Die Materialien aus dem Nachlass Horváths am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek werden in der Ausstellung ergänzt um zahlreiche Objekte aus Archiven, Museen und Bibliotheken des gesamten deutschsprachigen Raums, die Horváths Leben und Werk sowie die spezifische Kultur der Zwischenkriegszeit beleuchten. Sozialpolitische Stoffe bilden den Kern von Horváths dramatischem Gesamtwerk. Als Ziel seiner Arbeit nennt er selbst die „Demaskierung des Bewußtseins“.

Anhand von Einzelschicksalen verarmter, perspektivloser Kleinbürger sowie von Frauengestalten in drastischer patriarchalischer Abhängigkeit zeichnet er Bilder einer auseinandergebrachten und sozial deprivierten Gesellschaft. In späten Arbeiten treten religiöse Fragestellungen im Sinne von Verantwortung und Schuld als Kategorie menschlichen Handelns hinzu. Bereits in seinem Volksstück Italienische Nacht analysiert er nicht nur die soziale, sondern auch die psychologische Komponente im Verhalten der Faschisten. Aus dieser Analyse geht hervor, dass das Verhalten von einem brutalen sowie masochistisch-sentimentalen Minderwertigkeitsgefühl bestimmt wird. Auch in seinem Prosa-Spätwerk (Romane Jugend ohne Gott und Ein Kind unserer Zeit)

setzt Horváth sich mit dem Faschismus auseinander, allerdings direkter und bitterer: „Der Einzelne wird, da wo er sich auflehnen will, von der Gesellschaft, und das ist nunmehr der faschistische Staat, zerrieben, wenn er nicht resigniert.“ Horváth gilt sicherlich als Erneuerer des Volksstücks. Öffnungszeiten: Mo-Do 16-19 Uhr, So 10-16 Uhr, Eintritt frei! Führungen nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten: nicole.streitler-kastberger@uni-graz.at

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