Montag, 22.10.2018 16:02 Uhr

Polizei in Not - digitaler BOS Funk ein Reinfall

Verantwortlicher Autor: Marc Störmer Frankfurt am Main, 25.05.2018, 00:27 Uhr
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Digitaler BOS Funk funktioniert nur bedingt
Digitaler BOS Funk funktioniert nur bedingt  Bild: Marc Störmer

Frankfurt am Main [ENA] In Krisensituationen versagt der viel gepriesene digitale Funk der Behörden und Organisation mit Sicherheitsaufgaben, kurz BOS einfach, und eine Kommunikation der Polizei ist nicht mehr bzw. nur noch erschwert möglich. Dass „billig“ nicht immer gut ist, zeigt sich hier besonders dramatisch.

Haben sich 2005 vier Konzerne an der Ausschreibung des Bundesministeriums des Innern beteiligt, so hat es nur einer geschafft, in die zweite Runde zu kommen. Sprich: der Billigste. In diesem Fall ein Konsortium von EADS und Siemens. Das die Bundesregierung nichts dazu lernt, zeigte sich schon beim Flughafen Berlin. Billig ist nicht immer gut. Die Kosten für die Beseitigung der Funkmängel im BOS Funk werden voraussichtlich den Rahmen der veranschlagten 4,5 Mrd. EUR deutlich übersteigen. Vielleicht hätte es einer der besser kalkulierten Angebote von Vodafone oder dem Konsortium um Motorola, T-Systems und R&S Bick auch besser gemacht und einen überwiegend funktionierenden Dienst zur Verfügung gestellt.

Schon bei der Planung tut sich das Technologieland Deutschland schwer. Im Jahr 2005 hat der damalige Bundesinnenminister Otto Schily den ersten Auftrag bereits in eklatanter Rechtsverletzung ohne Ausschreibung an die DB Telematik erteilt. Kurze Zeit später, im Dezember 2006 wurden die Verhandlungen von Bund und Ländern mit der DB Telematik für gescheitert erklärt, da die Kostenschätzung von der Muttergesellschaft der DB Telematik, der Deutschen Bahn auf 5,1 Mrd. EUR angehoben wurde. Trotz voranschreitender Entwicklung bis heute und einer flächendeckenden Bereitstellung versagt der digitale BOS Funk immer wieder.

In Hochhäusern, in U-Bahn und S-Bahn Haltestellen, bei Großveranstaltungen und in Krisensituationen gab es bisher kritische Ausfälle des BOS-Funknetzes. Die Versprechungen einer Übertragung von Bild- und Textnachrichten kann bis dato nur bedingt eingehalten werden. Lediglich die Übertragung einfacher Textnachrichten ist möglich, ähnlich einer SMS. Aus Verzweiflung haben Polizeibeamte sogar vorrübergehend den Messenger WhatsApp genutzt, um sicher zu kommunizieren. Dies wurde mittlerweile untersagt und soll mittels eines eigenen Nachrichtendienstes ersetzt werden. Die Kommunikation läuft dabei über einen Server, auf den nur die Polizei zugriff hat.

Zusammenbruch bei Stromausfall

Das Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz (BBK) empfiehlt eine Notstromversorgung bzw. Funktionssicherstellung von 72 Stunden, sollte es zu einem Stromausfall kommen. Analoge Funkgeräte funktionieren - zumindest partiell - immer, unabhängig von der Stromversorgung, so ist zumindest eine Mindestkommunikation sichergestellt. Der derzeitige Stand der Technik sichert einen Überbrückungszeitraum von zwei Stunden zu, sollte es zu einem flächendeckenden Blackout kommen. Das ist durchaus bedenklich und wirft die Frage auf, ob der digitale BOS Funk doch nur eine wirtschaftliche Entscheidung war.

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